Regelleistung in der Schweiz: Ein Rückblick

Regelleistung in der Schweiz: Ein Rückblick

Im Jahr 1879 wurde in St. Moritz die erste Gleichstrom Beleuchtungsanlage in Betrieb genommen [1]. Die folgenden Jahre waren geprägt von Pioniertaten. Zusätzliche Produktionsanlagen und Verteilnetze versorgten Städte, Fabriken und Bahnbetriebe mit Elektrizität, die Vorteile des Wechselstroms setzten sich durch, und die regionalen Verteilnetze wurden zu einem stabileren nationalen Netz zusammengeschlossen. Engpässe in der Energieversorgung während dem Ersten Weltkrieg verhalfen der Elektrizitätswirtschaft schliesslich zum Durchbruch. Über Jahrzehnte wurden die Stromnetze in den Europäischen Ländern isoliert voneinander aufgebaut. Im Jahr 1958 wurde im aargauischen Fricktal jedoch Stromgeschichte geschrieben durch die Zusammenschaltung des Deutschen, Französischen und Schweizerischen Stromnetzes auf der 220-Kilovolt-Spannungsebene in der berühmten Schaltanlage „Stern von Laufenburg“. Das europäische Stromnetz war geboren und erlaubte eine effizientere Stromversorgung für die beteiligten Länder. 1967 wurde der Synchronbetrieb auf der 380-Kilovolt-Spannungsebene aufgenommen [2].

Bis Ende 2008 wurde das Schweizerische Stromnetz hierarchisch in einem Verbundbetrieb durch die hiesigen Überlandwerke (Atel, NOK, CKW, EGL, EOS, EWZ, BKW) geregelt, um die Netzfrequenz und die Netzspannung stabil zu halten [3].  Zum Jahresbeginn 2009 wurden die total 6700 km Höchstspannungsnetze der Überlandwerke in eine Netzgesellschaft ausgelagert, deren Betrieb durch die 2006 gegründete Swissgrid erfolgte. Zeitgleich mit dem Betrieb der Netzgesellschaft wurde auch die Netzregelung zentralisiert. Seither werden Beschaffung und Abruf von Regelleistung zur Stabilisierung der Netzfrequenz in der Schweiz einzig durch Swissgrid vorgenommen. Dazu wurde der zentrale Netzregler in Laufenburg umprogrammiert und die regionalen Netzregler der Überlandwerke wurden ausser Betrieb genommen. Per 2013 wurde die Netzgesellschaft vollends an Swissgrid übertragen.
Bedingt durch den Ausbau neuer erneuerbarer Energien befindet sich das Europäische Energiesystem im Umbruch. Konventionelle Erzeugungseinheiten gehen zunehmend vom Netz und werden durch volatile, erneuerbare Erzeugungseinheiten wie Windenergie- und Photovoltaikanlagen ersetzt. Dies birgt steigende Herausforderungen für die Stabilisierung der Netzfrequenz.

Um der Problematik entgegenzutreten beschreibt Swissgrid in seiner Balancing Roadmap [4] vier Stossrichtungen:

  1.     Internationalisierung der Regelmärkte
  2.     Nutzung von Synergien zwischen Regelprodukten
  3.     Entwicklung der Regelmärkte zur Erschliessung zusätzlicher Flexibilität
  4.     Preismechanismen und Marktanreize

Die Erschliessung zusätzlicher Flexibilität durch das Pooling-Konzept ist ein wichtiger Bestandteil der Roadmap und ein primärer Antrieb für uns, um technische und wirtschaftliche Opportunitäten für industrielle Anbieter und neue Technologien zu evaluieren und aufzuzeigen.

 

 

[1] Axpo (ohne Datum). Axpo Wasserkraft. Erneuerbar, einheimisch, zuverlässig. Online (2018-07-17): https://www.axpo.com/content/dam/axpo2/Documents/Switzerland/Newsroom/dossiers-publikationen/Brosch%C3%BCre-Wasserkraft-DE-2016-06.pdf

[2] Der Stern von Laufenburg. (2018). Swissgrid. Online (2018-07-17): https://www.swissgrid.ch/de/home/operation/power-grid/star-of-laufenburg.html

[3] W. Sattinger, „Regelleistungsbeschaffung in der Schweiz – Ein Rückblick„, Telephone, 2016.

[4] Balancing Roadmap Schweiz. Swissgrid. Online (2018-07-17): https://www.swissgrid.ch/dam/swissgrid/about-us/newsroom/publications/balancing-roadmap-ch-de.pdf

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